Hallo!
Gleich zu Anfang dieses Jahres machten wir AFSler in der Dominikanischen Republik uns dazu auf den höchsten Berg der Karibik, den „Pico Duarte“ zu besteigen. Die Reise begann für uns am Mittwochmorgen des 02. Januars 2008. Gemeinsam fuhren wir durch die Berge zu dem Haus am Fluss, in dem wir die Nacht über bleiben und von dem aus die Tour zum „Pico“ starten sollte. Auf der Fahrt kam sofort Stimmung auf, wie es immer bei AFS-Aktivitäten ist. Angekommen richteten wir uns ein und mussten feststellen, dass es keine Betten, Luftmatratzen oder Isomatten gab. Also mussten wir mit dem Schlafsack direkt auf dem kalten und harten Steinboden schlafen. Die Nacht war echt mies, wir haben gefroren und irgendwelche Leute konnten es einfach nicht lassen zu quatschen, sodass wir, als wir um vier Uhr morgens aufstehen mussten, alle kaum geschlafen haben. Zum Frühstück gab es Sandwichs und wir bekamen ein Paketchen mit Snacks für den Weg. Viele hatten ihr T-Shirt an, das wir für diesen Trip am Vortag bekommen hatten.
So begann nun der erste Wandertag. Einige hatten sich ein halbes Maultier gegönnt, aber die meisten machten sich zu Fuß in der Stockfinsterniss auf. Es war erstaunlich frisch für die Karibik aber daran sollten wir uns noch gewöhnen müssen. Alle waren von der Nacht noch sehr müde und so waren die Gespräche noch sehr zurückhaltend. Aber mit dem Tag erwachten auch wir und es begann richtig Spaß zu machen. Langsam konnte ich von meiner Wandererfahrung durch die Pfadfinder profitieren. Der Weg war oft steinig und steil, aber die Aussicht und Eindrücke entschädigten für vieles. Am späten Nachmittag kamen wir "Jungs", also Felix, Robin und ich, als eine der ersten im Lager auf gut 2500 Meter Höhe an. Hier war es mittlerweile echt kühl. Da wir Hunger hatten, versuchten wir die sonst fast ungenießbaren Miniwürstchen aus der Dose über dem Feuer zu braten und zu kochen, aber wirklich besser wurden sie dadurch nicht. Robin ging es nicht sehr gut und als er zum Arzt ging stellte sich heraus, dass er Wasser in der Lunge hatte und er bekam eine Spritze dagegen. Als wir unsere Zelte bezogen stellte sich eine kleine Fehlplanung heraus. Es gab zwei Zelte für 40 Personen. Als sich dann der Abend näherte verwandelten wir uns notgedrungen in Sardinen und bezogen unsere Büchse. Es war auch gar nicht so schlecht, bis es anfing total zu regnen und zu stürmen. Das Zelt regnete durch und wir wurden pitschnass. Von den Sachen, die aus Platzmangel draußen vor dem Zelt lagen möchte ich gar nicht reden. Alle waren genervt, wollten nach Hause und hatten einfach kein Bock mehr. Die Nacht schaffte es noch mieser als die erste zu sein. Um zwölf gratulierten wir dennoch alle Linda zum siebzehnten Geburtstag. Am nächsten Morgen war ich der einzige der um vier Uhr aufstand und auf den „Pico Duarte“ wollte. Allerdings wurde das dann doch abgeblasen, weil die Guides entschieden, dass es bei dem Nebel und Regen zu gefährlich sei. Und sie sollten Recht behalten.
Als wir dann gegen Acht wirklich aufstanden, frühstückten und uns zum Tal aufmachten, war die Stimmung kaum besser, da nun alle merkten, dass ihre Klamotten klitschnass waren. Ich hatte total Glück, dass alle meine Sachen im Rucksack in Plastiktüten eingepackt waren und der Rucksack noch mal in einem großen Müllbeutel steckte. Nun ging es endlich los. Zunächst ging ich mit Jesús, einem Italiener und ein paar anderen Leuten, aber dann schloss ich wieder zu Felix und Co auf. Er hatte nur ein T-Shirt und eine kurze Hose an, die völlig durchnässt waren. Aber für so einen richtigen Schwaben ist das wohl nichts. Ich habe für meinen Teil auch dicker angezogen ein wenig gefroren. Der Weg zog sich und war leider nicht mehr so schön wie am Vortag, denn dieser Teil des Berges wurde vor drei Jahren von einem Waldbrand heimgesucht. Deshalb standen alle Bäume wie tot nur noch als Stümpfe da. Beim Abstieg kam ich mir wie in einem schlechten Horrorfilm vor, als acht oder zehn Raben auf dem Ast eines toten Baumes saßen und Furcht erregend krähten. Von diesem Punkt aus konnten wir allerdings endlich unser Ziel für den Tag sehen, das Lager im Tal. Dort angekommen erwartete uns eine schöne heiße Suppe. Ich kann mich nicht entscheiden ob die oder das Waschen im eiskalten Gebirgsfluss besser war. Das war bitternötig, denn es war die erste Möglichkeit seit Mittwochmorgen. Leider erfuhren wir auch die Nachricht, dass ein dreizehnjähriges Mädchen aus einer anderen Gruppe beim Besteigen des Picos verloren gegangen ist.
Ich bezog ein sehr deutsches Zelt mit Felix, Robin, Isabel, Sebastian, Merle, Linda und Gabi. Außer Gabi waren wir alle deutschsprachig, was mal sehr cool war. Gabi hatte einen Pokerkoffer mitgebracht, also hatten wir auch eine echt coole Beschäftigung. Am Abend kamen noch ein paar Leute aus anderen Zelten vorbei und wir hatten eine kleine Party.
Am nächsten Morgen hatten wir keine Aufstehzeit, aber wir gingen so um neun zum Frühstück, nachdem wir Gabi zum 18. Geburtstag gratuliert haben. Die Nacht über ist wieder ein wenig Wasser in das Zelt gekommen, aber ich habe die Mülltüte über das Fußende meines Schlafsacks gezogen, sodass er nicht nass wurde. Mal eine echt gute Idee, denn sonst hätte er direkt in einer großen Pfütze gelegen. Der Tag wurde mit Klamotten am Feuer trocknen, chillen und pokern verbracht. Am Nachmittag gingen wir fast alle zu einer nahe gelegenen Badestelle und hatten dort viel Spaß. Am Abend merkten wir, dass wir wohl ein wenig zu viel von dem Vorabend geschwärmt hatten, denn plötzlich war über die Hälfte des Camps bei uns im Zelt. Da sag mal einer, dass Deutsche langweilig wären und dass wir überhaupt nicht feiern und Spaß haben können. Aber dieser Abend wurde noch viel lustiger.
Der nächste Tag war eigentlich genau so entspannt wie der vorherige. Wir chillten, redeten, machten Unsinn und gingen wieder im eiskalten Fluss baden. Dort bewies mir Jesús, dass er wirklich über Wasser gehen konnte. Am Abend packten wir alle Sachen zusammen, die wir nicht direkt für den nächsten Tag brauchten. Da wir zeitig aufstehen mussten gab es keine Party mehr, auch wenn es allen Grund dafür gab, denn das verlorene Mädchen wurde wiedergefunden. Ihr geht es gut, sie hat die Nacht an einem Baum lehnend verbracht.
Am nächsten Morgen standen wir um sechs auf und machten uns für den Weg fertig. Da es die Nacht über geregnet hatte, wurde es eine verdammt schlammige Angelegenheit. Meine Chucks wogen plötzlich das dreifache und es machte auch nichts mehr aus, ob ich in eine Pfütze trat oder nicht, denn sie konnten nicht mehr nasser werden. Auch meine Hose war schon so eingesaut, dass wir am Ende nur noch den direkten Weg und nicht mehr den schlammfreisten nahmen. Ich wanderte wieder mit Felix, Sebastian und zeitweise auch mit Isabel. Zum Glück ging es bergab besser und schneller als bergauf. Auf dem Weg wurden wir von einem verrückten Sportler überholt, der mit einem kleinen Radio und Sportrucksack den Berg hinunter rannte. Er war mit Abstand der coolste Typ, den wir getroffen haben. Am Ziel angekommen, stand schon der Bus da und wir mussten nur noch auf den Rest warten. An einem Fluss wuschen wir den gröbsten Dreck ab und zogen uns halbwegs saubere Klamotten an. Wir kauften uns Proviant für die Rückfahrt und setzten uns glücklich und erschöpft in den Bus.
In Santiago angekommen, wollte ich nur noch Duschen und in mein Bett um endlich zu schlafen. Obwohl ich am nächsten Tag eigentlich zur Schule wollte, konnte ich nicht und ich war sehr über einen Tag Ruhe erfreut. Es war eine wunderschöne, erlebnisreiche, aber auch sehr anstrengende Fahrt.
An dieser Stelle möchte ich meinen Großeltern danken, die mir diese Fahrt ermöglicht haben.
Viele liebe Grüße aus der Karibik!
Jan David
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