Mittwoch, 27. Februar 2008

Klassenfahrt in der Karibik

Hallo!
Am letzten Mittwoch ging es auf meine Kursfahrt hier in der Karibik. Eigentlich sollte es schon im November letzten Jahres losgehen, aber da das Gebiet zu dem Zeitpunkt vom Hurricane verwüstet war, wurde es verschoben.
Wie immer bei einer langen Reise trafen wir uns sehr früh morgens. Und diese Reise war wirklich lang, denn das Ziel der Klassenfahrt war der Süden des Landes. Da in der Mitte der Dom. Rep. ein großes Gebirge liegt mussten wir zunächst nach Südosten fahren um dann nach Westen zu drehen. Alles in allem war es wohl die längste Strecke, die man in diesem kleinen Land fahren kann. Die lange Reise hat sich allerdings absolut gelohnt. Der Süden ist die am wenigsten bevölkerte, ärmste und ländlichste Region in der Dominikanischen Republik. Allerdings bietet dieses "Campo" auch wunderschöne Strände und andere tolle Orte, die man fast alleine genießen kann.
Am ersten Tag fuhren wir zunächst zu den "Dunas de Bani", den einzigen Wanderdünen des Landes. Eine Besonderheit hierbei ist, dass sie zu sehr großen Anteilen aus metallischen Mineralien* (ich hoffe, ich habe das richtig übersetzt) bestehen. Dazu haben wir auch einen kleinen Versuch gemacht, indem wir einen Elektromagneten in den Sand geworfen haben und dann alle magnetischen Körner daran hängen blieben. Wie schon bei anderen Exkursionen, fiel mir wieder hier auf, wie gut organisiert doch Camping Tours ist. Nach den Dünen ging es in eine Salzgewinnungsanlage, oder kurz auf Spanisch: "Salina". In dieser Salina wurde uns erklärt, wie das Salz gewonnen wird und wofür man es verwendet. Die ganze Anlage hatte durch die verrosteten Gleise und der brütenden Sonne ein bisschen die Wildwestromantik einer Geisterstadt.
Nach der Salina wurde es nicht weniger salzig. Denn es ging zu der Laguna de Oviedo, einem großen Salzsee. Der Salzgehalt ist dreimal so hoch wie im Meer. Wir fuhren mit kleinen Booten auf den See hinaus, um dort die Insel Cayo de las Iguanas anzusteuern. Wie der Name schon sagt, leben auf dem kleinen Eiland jede Menge Leguane. Wir guckten uns die kleine Insel mit den sehr scharfen Felsen an und dann machten wir uns auf dem Rückweg. Da es mittlerweile windiger war und die Boote nur mäßigen Schutz baten, machte uns die Gischt klitschnass. Das ganze Salz klebte an uns und so freuten wir uns alle nur noch darauf sich in dem Haus von Camping Tours zu waschen. Zwar gab es kaum Duschen, dafür allerdings einen Fluss, der so gestaut wurde, dass man sich bequem drin waschen konnte. Er war zwar etwas kühler, aber immer noch wärmer als die Gebirgsflüsse auf dem Pico Duarte. Die Nacht war dann, typisch klassenfahrtsmäßig, nicht mit sehr viel Schlaf gesegnet.
Der nächste Tag war definitiv der Badetag der Klassenfahrt. Zunächst fuhren wir zu einer Quelle mit Schwefelhaltigem Wasser. Es hat zwar nach verdorbenen Eiern gerochen, was einen nicht unbedingt dazu ermunterte ins Wasser zu gehen, allerdings ist Wasser sehr gesund. Da es auch kristallklar war, bin ich gleich reingehüpft. Danach fuhren wir zu einer superkalten Quelle um dort schwimmen zu gehen.
Nun ging es nach Afrika. Naja zumindest fast. Es ging nach Jimani an die Haitische Grenze. Schon auf dem Weg dahin merkte man, dass es eine bitterarme Region ist. Als wir dann an der Grenze ankamen, sah ich zum ersten Mal Hilfsorganisationen bei der Arbeit, denn ein UNICEF-Jeep überholte uns. Als wir auf die andere Seite nach Haiti gingen, wurde mir bewusst, dass ich nie zuvor in einem so armen Land gewesen bin. Auch wenn wir nicht wirklich im Land drinnen waren, merkte man schon die Unterschiede. Irgendein Fluss ist über die Ufer getreten und in dieser Überflutung standen noch leere Container herum; es schien so als ob es niemanden interessiere. An den Algenrändern konnte man erkennen, dass die schon etwas länger im Wasser standen. Die Grenze selber sah eher nach einem großen Schwarzmarkt, als nach einem Grenzübergang aus. Es wurde einem alles feilgeboten, was man sich nur vorstellen kann. Von Nahrungsmitteln über alkoholische Getränke bis hin zu Fernsehern und gefälschten Markenschuhen - alles. Was mir aber sehr stark aufgefallen ist, dass wirklich (fast) alle Haitianer tiefschwarz sind. Meine Klassenkameraden, die von Deutschen wenn nicht als Schwarz, dann wenigstens als farbig bezeichnet würden, sahen dort genauso weiß aus wie ich hier in der Dominikanischen Republik. Nach diesen Grenzeindrücken gab es endlich Mittagessen.
Nun guckten wir uns an einem weiteren Salzsee ein weiteres Mal Leguane an. Meine Klassenkameraden fanden die ein wenig langweilig und wollten sie mit Rufen und ein paar Stöckern zu mehr Action bewegen. An einem Panorama machten wir dann ein Jahrgansfoto. Allerdings sind dort nur zwei Drittel drauf, weil 20 der 60 Schüler keine Lust auf Klassenfahrt hatten. Auf der Rückreise machten wir noch an einer weiteren Quelle halt um uns zu baden. Diese Nacht war dann etwas erholsamer.
Am dritten Tag ging es zunächst in die Berge. Dort war es bitterkalt und da uns niemand bescheid gesagt hatte froren wir. Wir genossen von einer Hütte aus den Blick über ein wunderschönes Tal, das nach einem haitianischen Parkwächter benannt wurde. Nun machten wir uns endlich auf dem Weg zu einem der Höhepunkt der Klassenfahrt, dem Bahia de las Aguilas. Dies ist ein unberührter traumhafter Strand mit schneeweißem Sand und azurblauem Wasser. Wir badeten, obwohl es an dem Tag ziemlich kühl war, ausgiebig und genossen diesen wunderschönen Ort. Vorgelagert waren ein paar Korallenriffe und im Wasser lagen auf dem Sand Seesterne. Wenn jemals ein Ort dem Paradies sehr nahe kommt, dann dieser Strand. Ich war einfach nur fasziniert.
Um das Salz loszuwerden, aber auch um Spaß zu haben, fuhren wir danach Höhlen an, die mit Wasser gefüllt sind und gingen dort baden. Alle sprangen hinein. In einer benachbarten Höhle sahen wir Dominikaner, wie sie in eine Höhle hinabsprangen in der gut 15 Meter unter ihnen erst das Wasser begann.
Am Abend gab es das lang erwartete Lagerfeuer. Hier merkte man ziemlich schnell, dass der Campingtoursarbeiter mal Pfadfinder war, denn er spielte zunächst jede Menge Spiele, die auch ich von den Pfadis kenne. Langsam aber sicher wurde eine tolle Atmosphäre erzeugt. Am Ende saßen wir alle erschöpft aber glücklich am Strand unter einem Vollmond und Palmen und guckten in das Feuer. Wir nutzten diesen magischen Moment um über Probleme in unserem Jahrgang zu reden. Ich war darüber überrascht wie offen und ehrlich alle plötzlich geredet haben, denn normalerweise liegt genau darin das Problem. Nachdem wir die Probleme und Lösungen besprochen hatten, kamen wir auf die Idee sich mit allen zu versöhnen und so kam es zu einer tollen Gruppenumarmung. Alle wünschten sich das Beste. Am Ende sollte jeder allein über alles nachdenken und überlegen was er in Zukunft besser machen kann. Diesen sehr sinnlichen Moment habe ich versucht mit meiner Kamera festzuhalten und es ist mir auch ganz gut gelungen. Am Abend setzte sich das komplette Jungszimmer zusammen um gemeinsam über Mädchen zu reden.
Am letzten Tag stand nicht mehr viel auf dem Programm, da wir ja noch quer durch das Land zurück fahren mussten. Wir guckten uns den kürzesten Fluss des Landes an, der an einer Ecke des Strandes entspringt, an diesem entlangfließt und gleich ins Meer mündet. An diesem Kieselstrand setzten wir uns zusammen und ließen die Klassenfahrt Revue passieren. Wir waren uns einig, dass es ein absolut gelungener Ausflug war. Als Erinnerung nahmen wir alle einen Kiesel mit. Als letztes kletterten wir die Cascada de San Rafael herauf um uns dort zu baden. Wieder wurden viele tolle Fotos gemacht. Als wir danach dann das Gepäck in den Bus einluden und dem Haus Tschüss sagten, stimmte mich das schon ein wenig traurig. Aber dieses Gefühl des Tiefs nach so tollen Erlebnissen kenne ich ja. Wie im Gebirge kommt nach einem Berg immer ein Tal.
Jan David


Klassenfahrt in der Karibik


*wahrscheinlich „Erz“, wenns magnetisch ist

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